Das Thema ist nicht so einfach zu sortieren oder anzugehen, aber Leben ist Leben. Über das Recht auf Selbstbestimmung, die Tötung schwerstkranker Neugeborener wie z.b in Holland oder die Relativierung des Lebens kann man sich lange unterhalten- und man wird kein Ergebnis erzielen.
Aktuelle Schicksale in meiner und in befreundeten Familien werfen zumindest bei mir wieder Frage auf, in welcher Weise ich über Leben und Tot entscheiden würde wenn ich die Macht, Mittel und Möglichkeiten hätte.
Auch Schicksale wie die Komapatientin Schiavo oder meinen engeren Freund und auch meinen Stiefvater der an Krebs erkrankte – hier in Innsbruck – haben bei mir dazubeigetragen mir wieder einmal über das Leben und dem Sinn Gedanken zu machen.
Sterbehilfe? – Nicht um jeden Preis!
Wenn der Ehemann glaubhaft versichert, dass dies ihr Wunsch gewesen ist, würde ich das akzeptieren. Wenn es aber keine schriftliche Meinungsäusserung gibt oder gegeben hat und ein Arzt zwischen den Positionen hin- und hergerissen ist, wird er sich für das Leben und gegen den Tod entscheiden. Menschen sind bei solchen Ärzten gut aufgehoben die diese Philosophie vertreten. Aber ob ich einen geliebten Menschen gehen lassen kann, ich weiss es nicht. Bei meinem Freund hier ist das auch so kompliziert, denn niemand weiss wie die Reha anschlägt oder ob er wieder gesund wird, er muss nicht einmal der Mensch werden der er schon war, der Freund und Sohn den wir doch alle sehr vermissen.
Aber man denkt, wenn auch nicht laut, darüber nach was ein Leben ist, was vielleicht lebenswert….und was der Sinn?
Auch meine Familie ist betroffen
Mein Stiefvater ist an Krebs erkrankt und wird nun bereits über den Zeitraum eines Jahres stationär behandelt. Wenn mich heute jemand fragen sollte wie es mir geht, bezogen auf meine Familie, wüsste ich nicht wie ich antworten sollte. Zum einen musste ich erfahren wie hart der Kampf ums Leben ist, musste ich miterleben wie sehr ein geliebter Mensch leiden muss, wie schwer es ist damit umzugehen, darüber zu reden. Man hat sieht den Menschen an und kann nicht helfen oder etwas an der Last abnehmen, es gibt Tage da kann man besser damit umgehen – erinnert sich vielleicht an schönes gemeinsam erlebtes und fragt sich – kommt das wieder?
Warum Patientenverfügungen?
Ob es eine weitere Abweichung des menschlichen Lebens ist wenn man durch Patientenverfügungen ermöglicht wird, künstliche Ernährung oder eine lebensrettende Behandlung abzulehnen, wenn man nicht mehr ansprechbar ist, selbst auch dann wenn der Verlauf der Krankheitnicht tödlich ist?
Ich persönlich glaube das geht schon in Richtung Sterbehilfe, allerdings werden schon jetzt Patientenverfügungen der besonderen Art berücksichtigt, die Zeugen Jehovas z.B., denen wird kein Blut gegeben. Man muss aber auch diese Entscheidung akzeptieren, wenn jemand intensivmedizinische Behandlungen im vornherein ablehnt.
Der Fall Schiavo, der uns monatelang in allen Medien begleitet hat, glaube ich war ein Ausnahmefall, man bekam den Eindruck vermittelt als hätte die Intensivmedizin nichts anderes im Kopf als Menschen mit aller Gewalt am leben zu halten. Der Alltag schaut anders aus.
Aber was sind die Werte der Gesellschaft noch wert, der Fortschritt der Wissenschaft?
Relativierung des Lebens
Wie in der Überschrift schon angedeutet schreibe ich jetzt etwas ausführlicher über Holland und deren Ansicht der aktiven Sterbehilfe. Auf die Tötung der Neugeborenen hat es einen grossen internationalen Aufschrei und Protest gegeben, wäre ja noch schöner wenn nicht.
In Holland ist das aber doch erst der Beginn einer unglückseligen Entwicklung und doch ist das jetzt der Endpunkt einer jahrzehntelanger Relativierung des menschlichen Lebens, zu der die Gesellschaft- und somit wir alle- auch JA gesagt haben.
Ich meine das der Respekt vor dem Leben abhanden gekommen ist.
Vielleicht sind wir auch jetzt schon dort angelangt, wo es beginnt, den Menschen weh zu tun, wenn man alte Menschen im Rahmen eines sozialverträglichen Frühablebenssystem ins Jenseits befördert.
Und das obwohl die Medizin doch alle Grenzen sprengt – es wird möglich das man per Steuerungselement ins Gehirn implantiert Epilepsie unterdrückt, man kann aber schon jetzt, bestes Beispiel die Werbung, schon jetzt Gedanken und Emotionen verändern und damit auch den Menschen ansich verändern.
Bitte nehmt das jetzt nicht als Wort zum Sonntag, aber macht euch einmal Gedanken darüber wie ihr vielleicht mit so einer oder in so einer Situation umgehen würdet. Zwischen Leben und Tod gibt es meiner Meinung nach nichts und weder das eine noch das andere hat etwas mit Leichtigkeit zu tun. Aber mit Freude und Angst, mit Lust und mit Schmerz.

150 w ago
Ich habe das Bedürfnis dir hier zu schreiben, dieser Beitrag bewegt mich. doch was genau ich schreiben wollte, bin ich mir nicht mehr sicher.
Freue mich schon so auf Samstag, hoffentlich klappt das alles gut.
Du hast immer noch ein gutes Herz, alles gute für deinen Vater.
p.s.: Danke für deine liebe email. Ich rufe gleich mal meine Eltern an. Pass auf dich auf
lg Tanja